Norbert Rainer (parteifrei) und Wolfgang Wittner (FPÖ) bei einer ihrer letzten Gemeinderatssitzungen in Jenbach. Die Beiden verabschiedeten sich im April aus dem Gremium.

Rainer und Wittner für Wallners Rücktritt

Die Jenbacher Gemeinderäte Wolfgang Wittner (FPÖ) und Norbert Rainer (parteifrei) legen ihr Mandat zurück. Im Abschieds-Interview legen sie das auch Bgm. Dietmar Wallner (ÖVP) nahe.  Bgm. Wallner dankt beiden für die Arbeit, sieht ihren Rücktritt aber als "Unverlässlichkeit".

JENBACH Die beiden Unternehmer Norbert Rainer (Bauunternehmer) und Wolfgang Wittner (Elektro-Unternehmer) streichen mit April die Segel im Gemeinderat. Im Abschieds-Interview beim ROFAN-KURIER sagt Wolfgang Wittner: "Es wurde bereits berichtet, dass ich mein Mandat zurücklege. Allerdings hat der Bürgermeister meine Rücktritts-Erklärung in der Sitzung nicht vorgelesen…" In seiner Erklärung schreibt Wittner, sein Bestreben sei die positive Mitgestaltung der Zukunft der Gemeinde gewesen. Leider bestehe der Alltag in der Gemeinde jedoch aus wirtschaftlichen Fehlentscheidungen, Anzeigen gegen Gemeinderäte und einer Vielzahl an weiteren Miss-Ständen. "Meiner Meinung nach sind Gemeinderat und Gemeinde unter der aktuellen Führung nicht in der Lage, die Geschicke von Jenbach im Sinne der Bürger und der Tiroler Gemeinde-Ordnung zu führen. Wallner sollte den Weg für Neuwahlen frei machen!", sagt Wittner.

Norbert Rainer (rechts) und Wolfgang Wittner verlassen den Gemeinderat. Das empfehlen sie auch Bgm. Dietmar Wallner, den sie für "ungeeignet" halten...

Norbert Rainer erklärt zu seinem Rücktritt: "Ich kann mich mit der aktuellen Situation in Jenbach nicht mehr identifizieren. Das Ergebnis unserer laufenden Überprüfung der Tätigkeiten und Vorfälle in der Gemeinde haben mich dazu veranlasst, den Bürgermeister in meiner letzten Gemeinderats-Sitzung zum Rücktritt aufzufordern. Die Siedlungs-Politik läuft gänzlich falsch. Hier wird Geld vernichtet und Aufträge werden teilweise vergeben, ohne den Gemeinderat anständig zu informieren", ärgert sich Rainer. Das wolle er nicht mehr mittragen. Mahnende Worte seien für den Bürgermeister kein Grund, nachzudenken. Die Rücksicht auf die Verkehrs-Situation, auf die Infrastruktur oder auf die Parkplatz-Situation sei schneller Bautätigkeit geopfert worden.

Lange Liste an Kritik-Punkten

In einer Gemeinderats-Sitzung wurde kürzlich eine lange Liste von Kritik-Punkten der FPÖ Jenbach verlesen. Der Pool des Bürgermeisters und dessen Gartenmauer seien beispielsweise erst nach Bau-Ausführung nachträglich baurechtlich "saniert" worden. Eine Sackgasse in Jenbach habe die Gemeinde ins öffentliche Gut übernommen. Die FPÖ Jenbach stört daran, dass die Anrainer der Gasse "teilweise zum erweiterten Familienkreis" des Bürgermeisters gehören würden. Bezüglich einer Pizzeria-Bauverhandlung in Jenbach sei die Gemeinde nun sogar zu Schadenersatz-Zahlungen verurteilt worden. "Die Kosten wird wohl wieder die Allgemeinheit tragen", vermutet Wittner. Einige der Kritik-Punkte findet sich auf Facebook unter "FPÖ Jenbach".

Wallner: "Das ist unverlässlich"

Zu den Rücktritts-Forderungen sagt Bgm. Dietmar Wallner (ÖVP): "Wittner und Rainer haben teils andere Ansichten als ich. Wenn sie zurücktreten, ist das ihre Sache. Aber Gemeinderat und Bürgermeister sind für sechs Jahre gewählt. Dieses Versprechen gegenüber dem Wähler nicht zu halten... Verlässlichkeit sieht anders aus." Zum Vorwurf, seine Mauer und sein Pool wären nicht genehmigt gewesen, sagt Wallner: "Ich habe für das Becken ein Bauansuchen gestellt. Das hätte auch Norbert Rainer machen können..."

Jenbachs Bürgermeister Dietmar Wallner kommt der Rücktritts-Aufforderung von Wittner und Rainer nicht nach. Für ihn wäre es ein Vertrauensbruch gegenüber seinen Wählern.

Zur Sackgasse sagt er: "Das war ein Grundtausch den noch Bgm. Holub gestartet hat..."
Zur Pizzeria-Situation sagt Wallner: "Wir haben die Pizzeria abgelehnt. Dann hat der Verwaltungs-Gerichtshof gesagt, dass sie möglich ist. Es gab ein zweites Verfahren, eine Gutachter-Auseinandersetzung. Die Pizzeria wurde wieder abgelehnt. Jetzt wollen die Anrainer Schadenersatz für ihre Kosten. Das ist aber nicht entschieden, das Verfahren läuft."