Präsidentschafts-Kandidat Dr. Tassilo Wallentin ist Rechtsanwalt, Bestseller-Autor und Kolumnist. Er gehört keiner Partei an. ueberall.GmbH Wörgl

Wallentin: "Diesmal noch nicht..."

Anfang Oktober wählte Österreich abermals Alexander Van der Bellen zum Bundespräsidenten, 6% Vorsprung retteten ihn vor der Stichwahl. Rechtsanwalt Dr. Tassilo Wallentin war einer der Herausforderer. Im ROKU-Gespräch sagt er "diesmal nicht..."

WIEN/TIROL Dr. Tassilo Wallentin maturierte 1993. Danach absolvierte er seinen Grundwehrdienst als Einjährig-Freiwilliger bei den Gebirgsjägern in Salzburg und begann im Herbst 1994 das Jus-Studium in Salzburg, das er mit Doktorat 1998 in Mindestzeit abschloss. Er erlangte ein "Master of Laws degree" in den USA und arbeitete für eine Anwaltskanzlei in San Francisco. Nach Praxis und der Rechtsanwaltsprüfung gründete er 2004 seine eigene Kanzlei. Bereits seit 2004 war Wallentin für die Neue Zürcher Zeitung tätig. Von 2013 bis 2022 schrieb er die Kolumne "Offen gesagt" in der Sonntagsbeilage der KRONE bunt.

Dem ROFAN-KURIER gab der eher bürgerliche Werte vertretende Kandidat ein Exklusiv-Interview.

Nach der Wahl kommentierte er das Ergebnis so: "Ich bin überwältigt von dieser Zustimmung! Ein absolut bemerkenswertes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass ich fast alles alleine gemacht habe und kaum Mittel zur Verfügung hatte. Ich hatte keinen Partei-Apparat. Und vier Nationalrats-Parteien (ÖVP, SPÖ, GRÜNE, NEOS) haben Van der Bellen empfohlen..." Auf die Frage, wie er die Zukunft sieht, sagt Dr. Wallentin dem ROFAN-KURIER: "Diesmal hat es nicht gereicht... Ich bin noch nicht sicher, ob ich abermals antreten werde. Ich denke aber, dass Van der Bellen als ältester seit den 1950er-Jahren in Österreich angelobter Kandidat nicht bis zum Ende der Periode unser Präsident bleiben wird."

ROKU: "Wer ist Tassilo Wallentin privat: Familie? Hobbys…?"
WALLENTIN: "Ich war 19 Jahre verheiratet und habe mit meiner ehemaligen Partnerin drei Söhne. Ich bin derzeit alleinerziehender Vater eines 15-jährigen Sohnes. Ein Sohn lebt bei meiner Frau, der Älteste studiert im Ausland. Für Privates bleibt aktuell wenig Zeit, aber ich mache viel Sport, lese gerne, bin gern in den Bergen."

ROKU: "Wie kommt man auf die Idee, als unabhängiger Kandidat in die Politik zu gehen?"
WALLENTIN: "Ich habe mich jetzt 10 Jahre intensiv mit Politik beschäftigt und viele Krisen vorausgesehen und Lösungen angeboten. Ich habe beispielsweise schon 2016 über den drohenden Konflikt in der Ukraine geschrieben, über Inflation, Geldentwertung und Asylchaos… Irgendwann war die Frage: Beschreibt man die Probleme nur, oder versucht man, sie aktiv zu lösen! Mit Kennedy gesprochen: Frage nicht, was dein Land für Dich tun kann. Frage, was du für dein Land tun kannst."

ROKU: "Aber kann Österreich wichtige Bereiche verändern, solange es EU-Mitglied ist?"
WALLENTIN: "Natürlich. Ein Austritt wäre derzeit nicht nötig, weil die Schuld leider oft bei unserer Bundesregierung liegt, die ihre Möglichkeiten nicht ausschöpft (Stichwort Grenzsicherung). Würden wir die Musterschüler-Rolle aufgeben, dann könnten wir sehr viel erreichen. Wir sind Netto-Zahler und könnten Vetos einlegen. Es gibt die Chance, diese EU zu reformieren, da viele Länder unzufrieden sind und wir wertvolle Allianzen schmieden könnten."

ROKU: "Sollte Österreich aus den Sanktionen gegen Russland aussteigen? Oder anders: Hätten wir uns je daran beteiligen dürfen?"
WALLENTIN: "Aus meiner Sicht als Jurist und Rechtsanwalt ist die aktuelle Sanktions-Politik mit unserer Neutralität NICHT vereinbar. Wir sind unter dem strikten Vorbehalt der Neutralität der EU beigetreten. Wir müssen als neutraler Staat also trotz EU-Mitgliedschaft die Sanktionen nicht mittragen! Ich frage mich, warum die EU weiter eine Strategie verfolgt, die nicht zum Ziel führt: Die Sanktionen verkürzen oder beenden den Krieg nicht! Als Freund der direkten Demokratie bin ich jedoch der Ansicht, dass es dazu eine Volksabstimmung geben sollte."

ROKU: "Glauben Sie, dass ein Sanktions-Ausstieg Österreichs für unsere Bürger etwas ändern würde? Bekämen wir dann wieder mehr Gas?"
WALLENTIN: "Ich denke, dass der Sanktions-Ausstieg nur in Kombination mit Friedenspolitik etwas bringt. Man müsste erstens aussteigen aus den Sanktionen und dann zweitens die Vermittler-Rolle als neutraler Staat wieder übernehmen. Im Sinne der Friedenspolitik."

ROKU: "Könnten Sie als Bundespräsident etwas dazu tun, dass Österreich seinen Kurs ändert?"
WALLENTIN: "Ja, definitiv. Der Präsident vertritt die Republik nach außen und kann auch eine eigene außenpolitische Schiene fahren. Zudem hat der Bundespräsident eine unglaubliche Kommunikations-Macht. Er kann Dinge ansprechen und öffentliche Diskussionen entfachen."

ROKU: "Sie machen sich für den Erhalt des Bargeldes stark. Kann Österreich diesbezüglich als EU-Mitglied überhaupt frei entscheiden?"
WALLENTIN: "Wir müssen das Bargeld in der Verfassung verankern und hier auch mit etwas mehr Mut eine Veto-Politik fahren, wenn es nötig ist. Das betrifft auch das Verhalten Österreichs im Rat der Europäischen Zentralbank."

Im ROFAN-KURIER-Interview spricht Dr. Tassilo Wallentin über die Russland-Sanktionen, die EU und Österreich, die aktuelle Regierungs-Politik und die Veränderungen, für die er als Bundes-Präsident kämpfen möchte. © ueberall.GmbH Wörgl

ROKU: "Wo würden Sie sich selbst politisch einordnen?"
WALLENTIN: "Ich gehöre keiner Partei an – und sehe mich selbst dort, wo es für die Menschen und unsere Heimat wichtig und sinnvoll ist. In den großen Fragen unserer Zeit gibt es in Wahrheit nur noch "vernünftig oder unvernünftig". Das Denken in Partei-Farben ist überholt."

ROKU: "Sie hätten 6.000 Unterstützungs-Erklärungen gebraucht. Wie viele bekamen Sie am Ende tatsächlich?"
WALLENTIN: "Wir haben mehr als 18.600 abgegeben. Da war die Frist aber noch nicht vorbei. Wir haben das Sammeln vor der Frist abgebrochen, weil wir die nötige Menge längst beisammen hatten."

ROKU: "Die Österreicher sind ja bezüglich Bundespräsidenten einiges gewohnt… Sind Sie im Vergleich dazu mit 48 nicht zu jung und vielleicht auch zu aktiv für das Amt?"
WALLENTIN: "(lacht)… Danke zunächst. Aber nein: Das denke ich nicht. Der Bundespräsident ist ja nicht nur ein Grüß-August. Wir brauchen wirklich jemanden, der diese Funktion ernst nimmt und dieses Amt ohne Parteinähe wahrnimmt. Wir brauchen keine Schlafwandler im Amt!"

ROKU: "Was sagen Sie zu unserem aktuellen Präsidenten, Dr. Alexander Van der Bellen?"
WALLENTIN: "Er ist leider sehr schwach und wirkt amtsmüde, obwohl er ein extrem passiver Präsident war. Er sollte sich einmal im Fernsehen einer einstündigen freien Diskussion mit den anderen Kandidaten stellen, damit die Menschen einen klaren Eindruck von ihm erhalten. Es ist unmöglich, dass sich der amtierende Bundespräsident dieser Diskussion und Konfrontation entzieht!"

ROKU: "Welche Themen sind ihnen persönlich besonders wichtig? Und wo glauben Sie, können Sie mit den Möglichkeiten eines Bundes-Präsidenten etwas bewegen?"
WALLENTIN: "Ganz wichtig ist mir die Frage der Neutralität und Friedenssicherung, die Frage der Inflation – insbesondere die Bekämpfung der Alters-Armut! Hier kommen viele Pensionisten nicht mehr über die Runden': Und das in einem Hochsteuerland. Und wir müssten die Europäische Zentralbank stoppen, die unser Vermögen vernichtet – zugunsten von Spekulanten, Banken und Krisenländern. Hinzu kommt, dass wir das Asylchaos beseitigen müssen"

ROKU: "Was sagen Sie zur Migrations-Politik in Österreich?"
WALLENTIN: "Österreich hat aus 2015 nichts gelernt. Es müssten längst Maßnahmen gesetzt werden! Asylanträge von Personen aus sicheren Drittländern dürfen nicht mehr entgegengenommen werden! Deutschland hatte eine ähnliche Regelung und diese war Grundrechts-Konform."

ROKU: "Wir danken für das Gespräch!"

Infos auch auf https://www.tassilo-wallentin.at/


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