Die Bundesmusikkapelle Reith im Alpbachtal am Tag der Segnung der neuen Alpbacher Tracht 1959. Links Kapellmeister Johann Madersbacher.BMK Reith i.A.

200 Jahre Bundesmusikkapelle Reith i.A.

Die BMK Reith im Alpbachtal feiert Ende Juni sein 200-Jahr-Jubiläum. Ein kleiner Einblick in die Historie der Musikkapelle zeigt die Entwicklung in den letzten 200 Jahren.

REITH i.A. Den Grundstein für die heutige Musikkapelle Reith im Alpbachtal sollen musikfreudige Schmiedegesellen gelegt haben, welche sich ihre karge Freizeit mit dem Spielen von Blasmusikinstrumenten vertrieben haben. Zuerst wohl nur zur eigenen Freude, fanden sie schon bald immer mehr Zuhörer und wurden schließlich gebeten, zu den verschiedensten Anlässen aufzuspielen. So gilt heute das Jahr 1824 als Geburtsstunde der Bundesmusikkapelle Reith im Alpbachtal, die zu den ältesten des Landes zählt. Im Jahr 1908 scheint der Probenbesuch recht vernachlässigt worden zu sein. Deshalb vereinbarten die Musikanten für jede versäumte Probe eine Krone in die Musikkasse zu bezahlen. Krankheit galt als Ausnahme, aber bei "erheuchelter Krankheit" galt die doppelte Strafgebühr.

Eine Reise in die Vergangenheit

Im Juli 1927 wurde in Reith der Burschenverein gegründet, der auch Instrumentalmusik und Gesang förderte. Aus diesem Grund dürfte der Burschenverein wohl auch eng mit der Musikkapelle zusammengearbeitet haben. 1937 erhielt die Musikkapelle eine eigene Tracht. Sie war vom Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck empfohlen worden und wurde anlässlich der Prozession am Herz-Jesu-Sonntag erstmals getragen. Die ganze Bevölkerung half zusammen, um dies zu ermöglichen. Die Gastwirtstochter Marie Hundsbichler (Stocker) stiftete eine neue Schleife für den Tambour. 1938 wurden von den Nationalsozialisten sämtliche Treffen und Zusammenkünfte von Vereinen verboten. Erst 1947 konnte der Spielbetrieb unter der Leitung von Kapellmeister Franz Madersbacher wiederaufgenommen werden.

1951 wurden zum ersten Mal Obmann, Obmannstellvertreter, Kassier und Schriftführer gewählt. Bis dahin lagen sämtliche Funktionen in den Händen des Kapellmeisters. Mit dem Aufschwung des Fremdenverkehrs erfolgte auch der ständige Aufbau der Musikkapelle. Dass sich die Reither Musikanten alle sieben Jahre beim "Reither Nikolausspiel" auch als Theaterspieler betätigen ist von ganz außergewöhnlicher Bedeutung. Das über 300 Jahre alte, von der Musikkapelle ständig weitergetragene "Reither Nikolausspiel" wurde 2014 offiziell in das österreichische Verzeichnis des UNESCO Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Heute hat die BMK Reith 68 aktive Mitglieder, davon 18 Damen, welche 16 verschiedene Instrumente spielen. Das 200-Jahr-Jubiläum wird vom Donnerstag, 20., bis Samstag, 22. Juni, mit einem großen Jubiläumsfest begangen. Dazu erscheint auch eine eigene CD mit aktuellen sowie historischen Aufnahmen.


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