Ein Sieg auf der Heimstrecke, der Wiedersbergerhornalm, wäre vor allem für Vicky sehr wichtig – so käme sie ihrem Ziel, der Teilnahme bei der nächstjährigen WM ein großes Stück näher. Moritz Ablinger

Freeride: Cadlin-Geschwister jagen Heimsieg

Pauli und Vicky Cadlin sind Freerider mit Leib und Seele. Beide begannen ihre Karriere bei den Open Faces Alpbachtal. Für den heurigen Contest wollen beide den "Heimsieg". Davor jagt Pauli Cadlin noch dem U18-Weltmeister-Titel hinterher.

ALPBACH Ein Geschwisterpaar macht die Freeride-Welt unsicher. Vicky und Pauli Candlin aus Alpbach fahren auf der Freeride Junior Tour (U18) mit. Pauli ist seit vier Jahren dabei, Vicky seit drei. Dabei konnten sie auch schon einige Erfolge feiern - Vicky gleich bei ihrem ersten Contest 2018 in Alpbach, wurde sie Zweite. Mit den Freeriden startete der ältere Pauli: "Angefangen hat es mit Schanzen, Waldwege,... Vor fünf Jahren habe ich dann den ersten Powder-Ski bekommen", sagt er im ROFAN-KURIER-Interview. Sein erster Contest war 2016 in Alpbach. Seitdem startet er auf der Junior Tour – mit einigen Podestplätzen.

Pauli (li.) und Vicky Cadlin (re.) im Gespräch mit einem ihrer Freeride-Kollegen. © Mia-Maria Knoll

Für ihn steht noch vor den Open Faces Alpbach das bisherige Karriere-Highlight auf dem Programm. Ende Jänner startet Pauli Cadlin bei der Freeride-WM in Kappl. "Mein Lieblingshang", lacht er. Sein Ziel ist der Weltmeistertitel – Amerikaner, Kanadier, Franzosen gilt es zu schlagen. Aber: "Es wäre 'geil' sich Weltmeister nennen zu dürfen - U18 muss man ja nicht unbedingt dazu sagen." Die Linie für den Hang in Kappl hat er bereits im Kopf, diese sei vorher noch niemand gefahren. Wenn er dieses "Face" übersteht, sollten die Chancen gut stehen.

Heimspiel in Alpbach

Danach kommt das Heimspiel in Alpbach - die Open Faces am Samstag, 8. Februar, im SkiJuwel Alpbachtal Wildschönau. Gefahren wird auf der Widersbergerhorn-Alm: "Hier sind wir auf den Heimsieg aus", lacht Vicky. Für sie wäre der Heimsieg auch wichtig. Hier würde sie wichtige Punkte auf der Junior Tour sammeln. Dass sie nächstes Jahr ebenfalls Österreich bei der Junior-WM vertreten darf.

Vicky Cadlin startete im Dezember beim Contest in Kappl und erreichte Platz 3. Pauli durfte nicht starten - vier Wochen vor einem Contest darf man nicht mehr auf dem "Face" fahren. ©Andreas Vigl

Der Sieger wird durch vier Judges ermittelt. Diese bewerten Technik, Line, Air & Style, Flüssigkeit des Laufes und die Kontrolle. Insgesamt gibt es für jede Kategorie 20 Punkte - also insgesamt 100 Punkte. Die höchste bis jetzt erreichte Punktezahl ist bei Pauli bei 86 Punkte, bei Vicky über 70. Gefahren wird "einfach die wildeste Line". Das "Face", also der Hang, ist aber für die Rider eher unbekannt. Sie dürfen sich diesen nur ansehen und nicht darauf trainieren. Und man kann davon ausgehen, dass sich der Hang seit dem letzten Contest ziemlich verändert hat. Gefahren werden auf der Junior Tour - und dann auch später in der World Tour - jedes Jahr die selben Hänge. Langeweile kommt hier aber keine auf....

Man fährt wie der Berg gemacht ist... Sicherheit wird aber groß geschrieben. Ohne Equipment wie Rückenprotektoren, Lawinenpiepser, etc. darf man bei den Contests gar nicht starten. Und wichtig ist auch die Freeride-Community für beide. "Hier hilft jeder jedem", sagen sie unisono. Alles sei freundschaftlich, es gibt nicht wirklich ein Konkurrenzdenken. Anders als im Alpinen Skisport. "Contests dürfen auch nur gefahren werden, wenn ein Hubschrauber in mindestens fünf Minuten beim Gelände sein kann", erzählt Pauli. 

Freeride-Familie

Stürze sind beim Freeriden natürlich vorprogrammiert. Von acht Contests stürzte Vicky bei drei. Passiert ist noch nichts schlimmeres. Pauli hat bereits ein paar Knochenbrüche oder auch Gehirnerschütterungen hinter sich.

Vickys Sturz bei einem Juniors-Event in Fieberbrunn 2018.

Freeriden bedeutet für die beiden Freiheit. „Der Nervenkitzel ist einfach größer (als beim alpinen Skifahren, Anm)“, sagt Vicky. Ein großes Ziel für beide ist aber der Start bei der World Tour, bei den Erwachsenen. Vicky möchte dann nächstes Jahr bei der Weltmeisterschaft starten dürfen.Ihre Zukunft sehen die beiden aber definitiv auf den Skiern. Der 18-jährige Pauli hat bereits den Landeskilehrer-Kurs absolviert und arbeitet in der Skischule aktive in Alpbach. Weitere Kurse bis zum Skiführer sollen folgen. Auch Vicky möchte nach der Schule Ausbildungen in diese Richtung machen. Und auch im Sommer sehenen sie sich nach dem Schnee. Dem weißen Gold nachreisen - das wäre ein Traum für die Cadlins. „Australien oder Argentinien im Sommer - das wäre lässig“, sagt Pauli.







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