Risiko- und Extremsport trage, laut US-amerikanischen Psychologen Dr. Abraham Maslow und Mag. Simone Käferböck zum psychischen Gesundheit bei.Erwin Hofbauer

Risiko- und Extremsport – Sinn oder Unsinn?

Sport scheint wie geschaffen dafür zu sein, die individuellen Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Bedürfnisse beziehen sich auf alle Formen der Identitätsbestätigung, Selbstverwirklichung oder auf sonstige hedonistische und kathartische Motive, die psychisches Wachstum fördern.

INTERNATIONAL "Sport stellt in allen Formen des gesellschaftlichen Lebens einen unverzichtbaren Bestandteil dar. Er eröffnet nicht nur eine neue Möglichkeit individueller Identitätsentwicklung und persönlicher Selbstdarstellung, sondern kann Repräsentationsfunktionen erfüllen, welche die Werte und Ideologien einer Gesellschaft verkörpern", erklärt Mag. Simone Käferböck, Bsc im ROFAN-KURIER-Interview. Sie ist Sportwissenschaftlerin und Sportpsychologien und kommt aus Kolsass.

Psychisches Wachstum realisieren

Im Risiko- oder Extremsport werden Risiken wissentlich eingegangen. In der psychologischen Fachliteratur wird der Risiko- und Extremsport als typisches Beispiel für die Realisierung von menschlichen Bedürfnissen nach psychischem Wachstum angesehen. Sprich, Selbstverwirklichungs-, Selbsterfahrungs- und Selbstentfaltungsprozessen können mithilfe einer riskanten oder extremen Sportart zu erheblichem psychischem Wohlbefinden von Menschen beitragen. Diese Bedürfnisse nach psychischen Wachstum können in der Regel erst dann angestrebt und angemessen befriedigt werden, wenn die grundlegenden Bedürfnisse nach Maslow's Bedürfnispyramide ausreichend erfüllt wurden. Zu diesen zählen neben Grund- und Existenzbedürfnissen, das Bedürfnis nach einem Gefühl von Sicherheit, sozialer Zugehörigkeit sowie Anerkennung und Wertschätzung. Maslow sieht in seiner Theorie der Bedürfnispyramide erhebliche funktionale Unterschiede zwischen den verschiedenen Ebenen. Je niedriger die Ebene ist, umso wichtiger sind die Bedürfnisse für das eigentliche Überleben.

Der Mensch ist an Risikosituationen interessiert

"Das Bild vom Risikosportler ist unter der 'normal sportlichen' Gesellschaft hoch ambivalent, denn einerseits wird er um seinen Mut beneidet, andererseits wird ihm ein Mangel an Verantwortungsbewusstsein in Hinblick auf die hohe Verletzungs- und Todesgefahr unterstellt", antwortete Käferböck auf die Frage, wie man sich das mit der psychischen Gesundheit im Hinblick auf den Risiko- und Extremsport vorstellen kann. Weiters führt sie aus: "Aus Sicht der Psychologie, haben physische und psychische Erfahrungen für den Risikosportler eine stark emotionale Bedeutung. Herausfordernde sportliche Zielsetzungen werden als selbst bewirkt erlebt (Selbstwirksamkeit, Anm.) und aufgrund eigenen Könnens mit einem befriedigenden Gefühl verbunden."

Käferböck erklärt, dass der Risiko- und Extremsport den Beobachter mit unterschiedlichsten Frage konfrontiert, die aus dem Alltagsverständnis heraus zu einer Problemstellung führen: Ist Sicherheit nicht ein Urbedürfnis, bei dem zweifellos eine biologische Fundierung anzunehmen ist, da die Selbst- und Arterhaltung eine höhere Priorität hat? Was treibt Menschen dazu, sich solchen Risiken im Sport dennoch freiwillig auszusetzen? "Es ergibt sich offensichtlich ein widersprechendes Verständnis von Risiko, Sicherheit und Gefahr. Der Mensch – so wird im Risikosport transparent – ist demnach kein Sicherheitswesen, sondern auch an Risikosituationen interessiert", merkte Mag. Simone Käferböck abschließend an.


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