Eine der bekanntesten Verschwörungstheorien: Die Mondlandung hätte nie stattgefunden. Die Bilder werden oft für Propaganda gehalten.Pixabay

Verschwörungs-Theorien beeinflussen unser Verhalten

Nicht nur in Sozialen Medien liest man immer öfter Verschwörungs-Theorien. Beinahe alle Medien diskutieren diese inzwischen. Solche Theorien beeinflussen unser Verhalten – auch wenn wir gar nicht daran glauben, fanden Wissenschaftler der Uni Innsbruck heraus.

INNSBRUCK CORONA als biologische Waffe? Bill Gates möchte uns alle impfen? COVID-19 wurde verbreitet, um 5G in Ruhe installieren zu können? Mit solchen und weiteren Theorien werden die Menschen in den letzten Monaten immer wieder konfrontiert. Laut der Website www.derbrutkasten.com glauben etwa 30 Prozent der Österreicher an verschiedene Verschwörungstheorien. Doch nicht erst seit der COVID-19-Pandemie...

Ignorieren nicht mehr möglich

Seit Jahren erleben Verschwörungs-Theorien einen regelrechten Boom. Sie einfach zu ignorieren ist kaum mehr möglich. Aus diesem Grund hat ein Forschungsteam um Verhaltensökonom Prof. Dr. Lukas Balafoutas, ein Professor an der Universität Innsbruck, den Einfluss, den sie haben, auch wenn man nicht an sie glaubt, erforscht: "Unsere Studie zeigt, dass Probanden, die für lediglich drei Minuten einer Verschwörungs-Theorie ausgesetzt waren, in einem nachfolgenden Verhaltensexperiment anders gehandelt haben, als Probanden aus der Kontrollgruppe", sagt Balafoutas. Dies wurde bei einem so genannten "money request game" getestet.

Dr. Loukas Balafoutas ist Professor für experimentelle Ökonomik am Institut für Finanzwissenschaft. © Axel Springer

Verschwörungs-Theorie beeinflusst Probanten

Der Hälfte der Teilnehmer wurde ein dreiminütiges Video gezeigt, in dem die Mondlandung 1969 als Fälschung dargestellt wird, die Kontrollgruppe hat hingegen ein Video über das Space-Shuttle-Programm gesehen. Im darauf folgenden Spiel konnten die Forscher unterschiedliches Verhalten zwischen den beiden Gruppen feststellen. "Es ging uns lediglich darum, zu zeigen, dass Personen, die kurz zuvor einer Verschwörungs-Theorie ausgesetzt waren, in einer nachfolgenden und inhaltlich völlig anderen Situation ein anderes Verhalten an den Tag legten, als die Kontrollgruppe. Daraus schließen wir, dass die Verschwörungs-Theorie einen Einfluss darauf hat, wie jemand die Welt und die Menschen wahrnimmt", erklärt der Forscher der Uni Innsbruck weiter.
Dass die Wissenschaftler Verschwörungs-Theorien im Labor untersucht haben, ist kein Zufall. "Als Forscher wollen wir nicht dazu beitragen, Verschwörungs-Theorien in die Gesellschaft zu tragen. Daher ist bei solchen Studien immer Vorsicht geboten. Sie müssen ethisch vertretbar durchgeführt und vorab auch genehmigt werden", erklärt Balafoutas. Für ihn ist die Aufklärung der Probanden hier der entscheidende Punkt.


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