Exklusiv! LR Astrid Mair im Abschieds-Interview

Astrid Mair: „Politikerin auf Zeit, Polizistin aus Leidenschaft – das Leben geht weiter und ich freue mich auf meine neue Aufgabe...“.

Tirol / Politik
02. September 2026

Exklusiv! LR Astrid Mair im Abschieds-Interview

Sie hätte es sich gerichtet, hätte sich für die Zeit nach der Politik einen „Top-Job“ gesichert. Doch was die ehemalige Landesrätin Astrid Mair (ÖVP) selbst dazu sagt, „wollten manche Medien gar nicht hören“, sagt sie. Ihr einziges Abschieds-Interview gibt sie daher im ROFAN-KURIER.

ROKU: „Man kann sich in Österreich als ÖVPler selbst Gehaltserhöhungen verordnen oder mit 9 Mitarbeitern für 100.000,– EURO zur Fußball-WM fliegen. Alles kein Problem. Aber sich für die Zeit nach der Politik wo zu bewerben, geht nicht?“
MAIR: „Offensichtlich… Dabei sieht es das Gesetzt ja so vor, dass man sich auch in der Karenz für freie Planstellen bewirbt.“

ROKU: „Es heißt, dass du selbst zurückgetreten bist. Wahr ist wohl eher, dass Dir der Rücktritt nahe gelegt wurde?“
MAIR: „Zurückgetreten bin ich natürlich schon selber… Und es stimmt auch, was ich immer gesagt habe: Ich bin Politikerin auf Zeit und Polizistin aus Leidenschaft. Ich hätte mir aber gewünscht, das Amt bis zum Ende der aktuellen Periode zu bekleiden. Und wenn möglich gerne auch in der kommenden Periode. Dass man hier so ein Aufhebens gemacht hat, ist überzogen und steht in keinem Verhältnis.“

ROKU: „Warum hast Du Dich eigentlich für die stellvertretende Leitung des Fremdenwesens der Polizei in Tirol beworben? Und war der Landeshauptmann darüber informiert?“
MAIR: „Ich habe mich nur beworben, weil mich die Landes-Polizeidirektion darum gebeten hat. Da ich als Polizistin für das Amt als Landesrätin karrenziert war, hat man meinen Job als Kommandantin im Bezirk Kufstein nur mit einer Vertretung besetzt. Der Kollege brauchte aber auch Sicherheit, daher sollte ich auf die Stelle verzichten und mich für eine andere bewerben. Gleicher Rang, gleiches Gehalt! Ich habe also meinen Posten freigemacht. Mit dem bekannten Ergebnis… Und ja: Der Landeshauptmann war davon schon vor meiner Bewerbung informiert.“

ROKU: „War diese – doch persönliche – Bewerbung öffentlich einsehbar, oder haben andere „zufällig“ davon erfahren?“
MAIR: „Nein. Wer sich bewirbt ist NICHT öffentlich und es war auch in der Landes-Polizeidirektion kein Thema.“

ROKU: „Als Du Landesrätin wurdest, war das doch eine ziemliche Überraschung. War Dein Einstieg doch zu „quer“?“
MAIR: „Dadurch, dass man nicht erst in der Partei groß geworden ist, muss man wohl sagen… ja. Man hat durch einen Quereinstieg nicht die Möglichkeit, die nötigen Fundamente in einer Partei zu schaffen. Es würde der Politik aber gut tun, mehr Quereinsteiger mit entsprechendem Know-How zu haben.“

ROKU: „In der ÖVP hieß es oft, dass Du zu wenig vernetzt bist, politisch zu wenig Gewicht hast. Hat sich das jetzt bewahrheitet?“
MAIR: „Man muss leider sagen: Augenscheinlich ja, obwohl ich mich darum doch bemüht habe.“

ROKU: „LH Mattle hat Dich in die Regierung geholt. Du hast Dir dort weder große Fehler geleistet noch Skandale produziert. Hat man in der ÖVP derart große Angst vor negativen Schlagzeilen, dass man jetzt sofort die Reißleine gezogen hat? Oder hat man auf eine Gelegenheit gewartet, um dich – entschuldige – abzuservieren?“
MAIR: „Ich denke, hier sollte sich jeder selber seine Meinung bilden…“

ROKU: „Du warst strategisch ein Signal für rechts-konservative Wähler, die zwischen ÖVP und FPÖ schwanken. Zufällig auch noch genau aus jenem Ort, der einen Blauen zum Bürgermeis-
ter gemacht hat. Ist die Tiroler ÖVP für solche Experimente noch zu weit „links“?“
MAIR: „Ich denke, dass ich durchaus das Thema „mitte-rechts“ in der Partei abdecken konnte. Ich denke aber auch, dass die ÖVP in Tirol in diesem Bereich auf jeden Fall noch Aufholbedarf hätte.“

ROKU: „Wie muss man sich das vorstellen: Ist Dein Büro schon geräumt und Deine Mitarbeiter werden aktuell in den Bauch der Verwaltung einsortiert? Oder führst Du die Agenden noch bis zu einem gewissen Tag?“
MAIR: „Es ist tatsächlich so, dass das Büro nun geräumt ist und ich mich beim gesamten Team für die tolle Arbeit bedankt habe. Meine Mitarbeiter bekleiden jetzt andere Posten, ihren Qualifikationen entsprechend.“

ROKU: „Wurde geklärt, ob und auf welchem Listenplatz Du im kommenden Jahr bei der Landtagswahl antreten wirst?“
MAIR: „Ich habe für die aktuelle Periode einen Listenverzicht unterzeichnet, damit keiner meiner Parteikollegen, die momentan im Landtag sitzen, für mich Platz machen muss. Für die nächste Landtagswahl wird man sehen…“

ROKU: „Wie geht es jetzt für Dich beruflich weiter? Bekommst Du noch Bezüge vom Land?“
MAIR (lacht): „Nein, ich bekomme mit September keinen Bezug mehr vom Land und bin jetzt wieder für die Landespolizeidirektion tätig. Ich arbeite wieder als Oberstleutnant und bekleide den Posten, für den ich mich beworben habe und auf den ich mich freue. Anmerken möchte ich doch, dass ich diesen Rang bereits vor meiner Regierungstätigkeit inne hatte.“

ROKU: „Wie geht es Dir persönlich jetzt mit der Situation?“
MAIR: „Natürlich schwingt Enttäuschung mit: Ich beende gerne, was ich begonnen habe. Mit einem entsprechenden Wahlergebnis hätte ich natürlich gerne in der Regierung weitergemacht und hier für die Tiroler gearbeitet. Aber es ist, wie es ist. Meine Leidenschaft ist der Polizei-Dienst. Ich bin auch nie davon ausgegangen, dass ich als Berufs-Politikerin in Pension gehe…“

ROKU: „Und wie ist Dein Plan für die politische Zukunft?“
MAIR: „Für die Menschen im Land Verantwortung zu übernehmen, war mir immer sehr wichtig. Das Arbeiten in der Politik war eine große Bereicherung für mich. Und ich kann mir durchaus vorstellen, auch weiterhin politisch aktiv zu sein.“

ROKU: „Für die ÖVP, die Dich eigentlich fallen gelassen hat? Oder auch woanders?“
MAIR: „Das ist eine neue Situation für mich, das wird sich alles finden…“

ROKU: „Du hast im letzten Interview gesagt, Du würdest gerne mehr Verantwortung übernehmen. War Dein Ressort-Bereich einfach zu klein für ein eigenes Regierungs-Büro – und von vorne herein zum Scheitern verurteilt?“
MAIR: „Ich denke, es wäre für Tirol absolut notwendig, das Sicherheitsressort beizubehalten. Ich habe hier auch einiges weitergebracht und mich hier gut einbringen können. Wichtig wäre mir gewesen, dass ich mehr Ressorts mit Länder-Kompetenz übernehmen hätte können.“

ROKU: „Man hat kolportiert, dass Du Dich geheim beworben hättest…“
MAIR: „Der Vorwurf bezüglich meiner Bewerbung war, ich hätte nichts gesagt. Das ist aber so nicht richtig… ich war immer offen und habe den Landeshauptmann schon vor der Bewerbung informiert.“

ROKU: „Was stört Dich an der Politik in Tirol, wenn Du zurück blickst?“
MAIR: „Ich halte wenig davon, dass man in Tirol einzelne Medien Politik machen lässt. Man reagiert hier zu viel auf diverse Meldungen, anstatt zu agieren und zu richtigen aber vielleicht unangenehmen Entscheidungen zu stehen. In den Partei-Zentralen und in Innsbruck übersieht man manchmal, dass gewisse Themen der Bevölkerung völlig unwichtig sind und in Wahrheit den Menschen auch kaum etwas bringen. Und auch diese teils überzogene Politik-Berichterstattung geht dem Großteil der Bevölkerung nur auf die Nerven oder wird gar nicht wahrgenommen.“

ROKU: „Danke für das Gespräch.“

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