Die Sparkasse Rattenberg Bank AG hat sich seit dem großen Umbau ihres Stammsitzes in mehreren Bereichen spezialisiert – unter anderem in Sachen „Investment“. Einer der Experten an Bord ist der ehemalige Fonds-Manager Herbert Schmarl…
TIROL/RATTENBERG Für Anlage-Fragen steht in der Sparkasse Rattenberg Bank AG ein eigenes Investmentcenter mit Betreuer-Team zur Verfügung. Einer der Experten dort: Herbert Schmarl, ehemals Fonds-Manager. Für den ROFAN-KURIER gibt er in dieser Ausgabe ein exklusives Finanz-Interview.
ROKU: „Wie wird es heuer mit den Zinsen weitergehen?“
SCHMARL: „Seit Jahresanfang sind die kurzfristigen Geldmarktzinsen von 2% auf 2,5% gestiegen. Wir erwarten heuer noch eine weitere Zinserhöhung auf 2,75%. Der weitere Verlauf wird von der Inflationsentwicklung im 4. Quartal abhängen. Falls die Inflation 2027 in Richtung 4% steigt, könnte das weitere Zinserhöhungen auslösen. Andererseits kann bei einer Lösung des Konflikts im Nahen Osten und einem damit verbundenen Ölpreisrückgang auch wieder eine Zinssenkung möglich sein. Sich die Entwicklung durch den Kauf von 2- bis 5-jährigen Anleihen auf mehrere Jahre zu sichern, kann also Sinn machen. Derzeit bieten 2-jährige Anleihen um die 3% Verzinsung, 5-Jährige mit 3,8% noch um einiges mehr.“
ROKU: „Was bedeutet das für Kreditnehmer?“
SCHMARL: „Für Kreditnehmer im Wohnbaubereich sind naturgemäß die langfristigen Zinsen entscheidend und auch hier sind diese seit Jahresanfang um ca. 0,5% gestiegen. Auch hier hängt sehr viel von der Entwicklung der Ölpreise und der Inflation ab. Eine weitere Steigerung bei diesen Preisen könnte natürlich auch hier für eine Fortsetzung des Zinsanstiegs sorgen.“
ROKU: „Edelmetalle hatten ihr Hoch – korrigieren aber auf hohem Niveau. Ist der Boom jetzt vorbei?“
SCHMARL: „Wir behaupten definitiv „Nein“. Die aktuelle Korrektur könnte aber noch einige Monate anhalten, insbesondere bei einem weiteren Zinsanstieg, der auch den Besitz von Gold und Silber (zinslos) verteuert. Nach dem zu schnellen und zu starken Anstieg zuvor ist die aktuelle Preiskorrektur grundsätzlich aber mehr als gesund. Die hohe globale Unsicherheit, die weiter steigenden Staatsverschuldungen und der Trend der globalen Notenbanken – ihre Dollarbestände weiter durch physisches Gold zu ersetzen – sprechen mittelfristig wieder für eine Fortsetzung des Preisanstiegs. Kurzfristig ist aber Geduld erforderlich. Wir erwarten um 4.000,– US$ bzw. im Extremfall um 3.600,– US$ eine Trendumkehr nach oben.“
ROKU: „Ab welchem Investitions-Grad ist aktuell trotzdem ein Verkauf anzudenken?“
SCHMARL: „Wer 20% oder mehr seiner Reserven in Edelmetallen angelegt hat, könnte auch aktuell etwas abstoßen.“
ROKU: „Thema Aktien. Viele Anleger fragen sich: Was soll ich bei dieser Weltlage tun?“
SCHMARL: „Trotz der ausgezeichneten Performance der Aktienmärkte in diesem Jahr sind sie bis auf wenige Ausnahmen nicht viel teurer als zu Jahresbeginn, da ja auch die erwarteten Erträge für 2026/27 deutlich angehoben wurden. Derzeit sind weiterhin vor allem Technologie- und Energiewerte sowie Banken gefragt, da hier die Ertragssituation besonders erfreulich ist. Hingegen stehen Autoproduzenten, Nahrungsmittelerzeuger und stark verschuldete Unternehmen (Zinsanstieg wirkt sich negativ aus) weiter tendenziell unter Druck. Der österreichische Aktienmarkt erwies sich 2026 als besonders stark und konnte schon fast 25% zulegen, während der deutsche DAX Index nur ca. 3% gewann. Vor allem Banken, die OMV und ausgewählte Industriewerte wie ATS (Halbleiter) und Andritz trugen besonders zu dieser für österreichische Anleger erfreulichen Situation bei. Aufgrund einiger Warnsignale – wie zunehmenden globalen Konflikten, steigenden Inflationsraten und Zinsen – sowie der aktuell niedrigen Volatilität würden wir bezüglich Aktien für die nächste Zeit durchaus vorsichtiger werden. Denn mit den gestiegenen Zinsen sind Anleihen eine zunehmend attraktive Konkurrenz. Dies auch betreffend den aktuell so out-performten österreichischen Werten…“
Mehr Infos auf: www.sparkasse.at
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