LA Sint: „Tourismus ist Preistreiber!“

LA Mag. Markus Sint (LISTE FRITZ) kritisiert: „Wir bauen ins Zillertal schlechte Schmalspur-Lösung anstatt umstiegsfreie Normalspur-Bahn!“

Tirol / Politik
30. September 2026

LA Sint: „Tourismus ist Preistreiber!“

Die Landtags-Wahl wirft ihre Schatten voraus. Der ROFAN-KURIER hat daher für diese Ausgabe Mag. Markus Sint, Klubobmann der LISTE FRITZ zum Interview gebeten. Seine Liste konnte sich bei der letzten Landtags-Wahl verdoppeln und könnte „ein Zünglein an der Waage“ sein…

TIROL Gegründet wurde die „Liste FRITZ“ ursprünglich von Arbeiter-Kammer-Boss Fritz Dinkhauser, der sich gleich den nicht minder gewichtigen Fritz Gurgiser vom Transitforum ins Boot holte.
Beim ersten Antritt 2008 erreichte die Liste gleich 18,3 % und 7 Sitze im Landtag.
Nach den für neue Parteien üblichen Schwierigkeiten kam es zum Fritz-Bruch. Gurgiser stieg mit einem Kollegen aus, Dinkhauser legte (später) seine Funktionen zurück.
Kurz vor dem Absturz erreichte man 2013 noch 5% und den Einzug in den Landtag, ähnlich 2018. 2022 dann die Wende: Stimmenzahl fast verdoppelt…

ROKU: „Die Vorboten der Landtagswahl 2027 zeichnen sich ab… Wäre die Liste Fritz koalitionsbereit – und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?“
SINT: „Die Liste Fritz redet mit allen und kooperiert mit allen. Das beweisen wir auch, indem wir Anträgen anderer Parteien im Landtag zustimmen, wenn wir diese sinnvoll finden. Für uns hat Opposition einen Wert aber auch Regieren einen Wert. Aber wer mit uns regieren will, wird sich auf uns zubewegen müssen.“

ROKU: „Was meinst Du damit konkret?“
SINT: „Ich meine damit: Mit uns wird es keine Willfährigkeit geben, wie es die ROTEN aktuell mit der ÖVP machen, oder wie es die GRÜNEN mit der ÖVP gemacht haben. Und wenn ich das sagen darf: Tirol hat ja Glück, dass es uns gibt. Wir sind die beste Alternative zu schwarz-blau.“

ROKU: „Die SPÖ wird vermutlich bei der Wahl Federn lassen. Die ÖVP wohl auch. Aber denkst du wirklich, dass sich ÖVP-FRITZ ausgehen wird? Ihr hattet zuletzt 9,9 %, die ÖVP 34,7%…“
SINT: „Wir schauen auf uns: Wir sind für die Wählerinnen und Wähler ein tolles Angebot. Unser Ziel sind 15%. Damit würden wir deutlich stärker werden und sind zugleich die beste Alternative für frustrierte ÖVP-Wähler und für jene bürgerlichen Wähler, denen die FPÖ zu radikal ist.“

ROKU: „Aber auch, wenn FRITZ 15% erreicht, wird die ÖVP nicht bei 34% bleiben. Es bräuchte dann vermutlich einen dritten Koalitions-Partner. Wäre eine Dreier-Koalition überhaupt eine Option für Euch?“
SINT: „Also zuerst muss der Wähler entscheiden. Und ich denke: WENN sich irgendeine Zweier-Variante ausgeht, wird die ÖVP das auch machen. Wir stehen aber immer zur Verfügung, wenn man die Ideen der Liste FRITZ mitgetragen möchte.“

ROKU: „Wo sind hier thematisch die roten Linien: Wo könnt ihr von Eurer Linie überhaupt nicht abrücken?“
SINT: „Was enorm wichtig ist: Endlich diesen Ausverkauf der Heimat stoppen! Wir wissen, dass das Wohnen nicht mehr leistbar ist, weil touristische Auswüchse die Preise in die Höhe treiben. Das ist ein Krebsgeschwür und das muss man bekämpfen. Egal mit wem und wie. Tiroler müssen sich Tirol wieder leisten können. Beim Wohnen und beim Leben…“

ROKU: „Es ist ja auch nicht erklärbar, warum bei uns der Treibstoff am teuersten ist – oder ein und dasselbe Lebensmittel im Supermarkt mehr kostet…“
SINT: „Genau… Der Tourismus ist überall bei uns ein Preistreiber. Die Mobilität ist zu teuer und der Verkehr ist ein Problem. Wir müssten in Tirol jedem Tiroler ein kostenloses Öffi-Ticket geben und die Pendler-Pauschale abschaffen. Außer in Härtefällen, wo das Auto zwingend nötig ist. So dämmen wir den Verkehr ein. Wir müssen die Teuerung an der Wurzel bekämpfen – und nicht dauernd nur ein Pflaster drauf picken…“

Die ASFINAG hat der LISTE FRITZ die Auskunft zu Mauteinnahmen in Tirol verweigert. LA Mag. Sint fordert, dass die ASFINAG wie alle anderen auch TVB-Abgaben leistet…

ROKU: „Das ist aber ein Rattenschwanz: Teure Grundstücke und teures Bauen bedingen teure Produkte und teure Dienstleitungen…“
SINT: „Ja, es ist ein Teufelskreis. Der Tourismus ist ein Preistreiber in Tirol und macht vieles teurer, als es woanders ist. Wir haben einen Betten-Stopp in Tirol gefordert. Wir müssen lernen mit dem Haus zu halten, was da ist! Wir haben in Tirol eine Obergrenze von 300.000 Betten – haben aber längst 350.000 Betten gebaut. Und wenn wir immer neue Betten schaffen, werden wir auch dauernd mehr Verkehr haben – und die Steuerzahler blechen für Umfahrungen und Einhausungen…“

ROKU: „Was stößt Dir hier besonders auf?“
SINT: „Ein Beispiel: Jeder Betrieb in Tirol muss ohne Ausnahme Tourismus-Abgabe zahlen.Von den 100%, die im Tourismus arbeiten, kommen nur 30% aus Tirol und aus Österreich! Bei jedem Hotel muss man schon ein Mitarbeiter-Haus daneben stellen. Die Branche müsste ja das ureigene Interesse haben, vermehrt einheimische Leute zur Arbeit im Tourismus motivieren zu können.“

ROKU: „Ist der Umbau hin zum dringend notwendigen Qualitäts-Tourismus überhaupt möglich? Hier ist sehr viel Fremd-Kapital im Spiel, das nur über Auslastung wieder eingespielt wird…“
SINT: „Wir müssen das dringend diskutieren, wir müssen über einen Betten-Stopp sprechen. Beispielsweise über eine Anreise per Zug! Wir brauchen ins Zillertal eine umstiegsfreie Zufahrt. Aber nein: Wir bauen hier jetzt eine Schmalspur-Lösung, mit lästigem Umsteigen… Eigentlich bräuchten wir ins Zillertal auch eine Charta-Lösung für Züge! Nicht im Stau stehen – mit dem Charta-Zug fahren. Es gibt Hunderte Charta-Flüge in Europa. Warum nicht auch Charta-Züge, die direkt bis Mayrhofen fahren. Ohne Umsteigen! Die Betriebe würden auch profitieren: Sie müssten Güter nicht umladen oder auf die Straße ausweichen. All dies natürlich nur unter der Voraussetzung, dass der Bahn-Ausbau ins Zillertal als Normalspur realisiert wird. Aber nein: Weil die Oberleitung „hässlich“ ist, muss eine schlechtere Lösung her – für viel Steuergeld.“

ROKU: „Thema Verkehr… Ihr kritisiert oft die Situation: Aber gibt es hier überhaupt eine Lösung, solange Österreich EU-Mitglied ist?“
SINT: „Ich glaube, die Aufgabe der Politik ist es, Lösungen zu finden. Die EU finanziert 50% des Baues des Brenner-Basis-Tunnels. Damit muss man auch Verantwortung übernehmen, dass der Tunnel irgendwann benutzt wird! Daher muss man in der Zukunft auch Regelungen zur Verlagerung schaffen. Aber ja: Tirol und Österreich waren noch nie so einsam, was das Verkehrs-Thema angeht! Wir haben keine Verbündeten und warten wie der Hase vor der Schlange auf das Urteil der EU, nach der Klage Italiens. Mein Ansatz wäre ein Umdenken: Alles MUSS auf die Schiene! Nur wenn die voll ist, kann man auf die Straße… Wir sind bitte EU-Nettozahler. Ich denke doch, dass man hier anders auftreten könnte.“

ROKU: „Aber was konkret könnte ein Lösungs-Ansatz sein?“
SINT: „1/3 der 2,4 Millionen LKWs auf unseren Straßen sind reiner Umweg-Verkehr. Man fährt bewusst durch Tirol obwohl es weiter ist. Nur weil es billiger ist. Das ist ein Wahnsinn. Da muss man mit der EU sprechen. Aber das Thema war ja auch bei den Wölfen so: EU-Recht schützte die Wölfe. Weil es jetzt wieder viele gibt, darf man sie schießen. Solche Änderungen müssen auch in Sachen Verkehr möglich sein … da wird man auf andere Staaten in der EU zugehen müssen und sich Mehrheiten suchen und mit ihnen verhandeln. Aber solange Österreich hier nicht klar und mit einer Stimme spricht, wird das nichts…“

ROKU: „Noch zum Tourismus: Was sagst Du dazu, dass die Kontrolle der TVBs durch den Landes-Rechnungshof abgelehnt wurde?“
SINT: „Das ist eine Frechheit. Wir haben hier Organisationen, die Jahr für Jahr Hunderte Millionen öffentliches Geld bewegen. Und die Regierungs-Parteien verhindern, dass der Rechnungs-Hof diese Organisationen prüfen darf. Für mich unbegreiflich.“

ROKU: „Danke für das Gespräch!“

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