LA Bgm. Mag. Dominik Mainusch (ÖVP) bei einem Besuch der Sonderschule Fügen, im Bild mit Sonderschul-Direktor Paul Gruber.

Werden Sonderschulen ausgehungert?

Wie soll das Bildungs-System aussehen? Spezielle Förderung mit Fachkräften in Sonder-Schulen, für Kinder, die das brauchen? Oder angelernte Stütz-Kräfte, die sich um Kinder mit Beeinträchtigung in den allgemeinen Schulen kümmern... LA Mainusch warnt: Er ortet aktuell ein Aushungern der Sonderschulen.

FÜGEN Es geschah ohne großes Aufsehen, Schritt für Schritt: In den letzten Jahren wurden etliche Sonderschulen in Tirol geschlossen. Im Unterland zum Beispiel St. Johann, Wörgl, Brixlegg, Zell am Ziller, und Jenbach, um nur einige zu nennen. Jetzt sieht Fügens Bürgermeister, LA Mag. Dominik Mainusch (ÖVP) auch den Standort Fügen in Gefahr. Aber warum ist das so: Gibt es keine Kinder mehr mit intensivem Betreuungs-Bedarf? "Doch, die gibt es", sagt Mainusch, aber: "Eltern von Kindern mit Beeinträchtung werden von den "FITS" (Fachbereichen für Inklusion, Diversität und Sonderpädagogik) beraten. Wie mir mehrere Eltern berichten, empfiehlt man  dort mit Nachdruck, Kinder trotz Beeinträchtigung in die allgemeinen Schulen zu geben. Dort kümmern sich Stützlehrer um sie. Diese haben aber nur selten die spezielle Qualifikation, über die das Personal der Sonderschulen verfügt."

Schüler-Rückgang in Fügen

In der Sonderschule Fügen (genauer "Allgemeine Sonderschule", kurz ASO) gab es bis 2015 vier Klassen. Dann drei Klassen und seit 2019 noch zwei Klassen. Mainusch dazu: "Die Beratungs-Stellen FITS beraten aus meiner Sicht zu einseitig in Richtung Integration im Regel-Unterricht. Dadurch geben immer weniger Eltern ihre Kinder in die Allgemeine Sonderschule. Wenn die Kinderzahl sinkt, wird die Schule dann geschlossen. Für mich ist es nicht zu verantworten, sich von den Sonderschulen abzuwenden."

Gesamtschule: Schlechter für alle Beteiligten?

Kritiker der Gesamtschule sehen darin einen Nachteil für die Kinder mit Beeinträchtigung, weil sie an der allgemeinen Schule womöglich nicht jene intensive Betreuung erhalten, die sie vielleicht brauchen. Zugleich bremst die Inklusion an den Allgemeinen Schulen laut Kritikern aber den Fortschritt der gesamten Klasse. Der Staat spart sich hingegen Kosten, weil die Sonderschulen nicht mehr als separate Einrichtungen erhalten werden müssten. Mainusch: "Die Sonderpädagogischen Schulen sind wichtig und gehören weiterentwickelt, nicht schleichend abgeschafft. Inklusion in die allgemeine Schule "JA", aber nur dann, wenn es für das betroffene Kind von Vorteil ist. Eltern müssen neutral beraten werden."


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