In 80 Meter Entfernung liegt die Sender-Strahlung teils über 2.000 Mikrowatt pro Quadratmeter und damit außerhalb des Messbereichs dieses Gerätes.

Handy-Mast: Nutzt Kramsachs Politik Chance?

Österreichische Experten wie Prof. Dr. Michael Kundi (Med-Uni Wien) oder Dr. Gerd Oberfeld (Umweltmedizin Salzburg) kämpfen seit Jahrzehnten für anständige Grenzwerte bei Handy-Strahlung in Österreich. Jetzt hat Kramsach die Chance, hier etwas für seine Bürger zu tun...

KRAMSACH Mehrmals hat der ROFAN-KURIER exklusiv über die Magnet-Felder und die elektrischen Felder berichtet, die von der 110 kV-Leitung der TINETZ im Ort ausgehen. Seit über 10 Jahren fordert der ROFAN-KURIER deren Abbau im Siedlungs-Gebiet. Heute wird bereits aktiv an dieser Verlegung gearbeitet (Infos S. 24/25). Doch ein weiterer Aspekt dieser Leitung betrifft Kramsach: Eine Mehrfach-Sende-Anlage verschiedener Mobilfunk-Frequenzen strahlt am "Gangal-Bühel" munter vor sich hin. Die Sende-Paneele "leuchten" in alle Richtungen.

Grenzwerte und Kramsach

Der "Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlad e.V." fordert seit 2008 einen Grenz-Wert von 1 Mikro-Watt pro Quadratmeter für Handy-Strahlung im Freien. Die Landes-Sanitätsdirektion Salzburg schlägt seit 2002 einen Vorsorgewert von 1 Mikro-Watt pro Quadratmeter für Innenräume vor. Telefoniert werden kann laut Experten übrigens problemlos bei einer Sendeleistung von 0,01 Mikro-Watt/Quadratmeter. Also bei 100 Mal weniger Strahlen-Belastung, als von den Umwelt-Medizinern gefordert wird...

Ein Kramsacher Sender im Bereich des Gangal-Bühels.

Belastung nicht mehr messbar!

Wie steht es um die Situation in Kramsach? Der ROFAN-KURIER hat geeichte, deutsche Messgeräte der Firma "Gigahertz-Solutions" angekauft.  Das Messgerät der Redaktion kann Werte bis zu 2.000 Mikro-Watt/Quadratmeter anzeigen. Bei mehreren Test-Messungen des ROFAN-KURIER in der Nähe (2. Stock, ca. 80 Meter Entfernung zum Sender) schlägt die Anzeige des Messgerätes je nach Position durch: Der Wert kann nicht mehr dargestellt werden. Er liegt damit also jenseits von 2.000 Mikro-Watt pro Quadratmeter.

Lässt Gemeinde Sender neu aufstellen?

Exklusiv hat der ROFAN-KURIER folgende Information vorliegen: Spätestens im Jahr 2022 soll die alte 110 kV-Leitung abgerissen werden! DI Thomas Rieder, Geschäftsführer der TINETZ in Tirol, erklärt sinngemäß: "Dann werden auch bestehende Vertragsverhältnisse mit Mobilfunk-Betreibern gekündigt und die Sendeanlagen entfernt..."

Keine echten Grenzwerte in Österreich!

Derartige Sende-Anlagen mitten in ein Siedlungs-Gebiet zu knallen, ist aufgrund des Widerstandes der Bevölkerung üblicher Weise kaum noch möglich.
In Kramsach wurden die ersten Sende-Panele aber vor fast 25 Jahren montiert. Damals hat kaum jemand über die potentiellen Gefahren von hochfrequenter Strahlung Bescheid gewusst. In den Folgejahren wurde die Anlage schleichend aufgerüstet. Die so genannten Grenzwerte für Hochfrequenz-Strahlung hält aber wohl auch diese Anlage ein: Es gibt nämlich keine!

Das bestätigt auch Dr. Gerd Oberfeld. Österreich ist diesbezüglich eine "Bananen-Republik" und orientiert sich lediglich an den vorgeschlagenen Werten des Vereins ICNIRP, der als extrem "industrie-freundlich" in der Kritik steht. Dies hat laut Dr. Oberfeld auch bereits der Rechnungshof kritisiert. Keine (!) politische Partei in Österreich hat sich bis dato an das Thema einer Grenzwert-Festsetzung herangewagt.

Der Umwelt-Mediziner Dr. Gerd Oberfeld, steht dem ROFAN-KURIER als Experte in Sachen Mobilfunk-Strahlung zur Seite.

Neue Sende-Anlage: Nutzt Kramsach die Chance?

In spätestens zwei Jahren muss geklärt sein, was mit der Sende-Anlage in Kramsach passiert. Die Mobilfunk-Betreiber möchten wohl am jetzigen Standort einfach einen neuen Masten errichten und die Anlage wieder montieren. Die Gemeinde hat aber Möglichkeiten, dies zu verhindern oder zu blockieren. Natürlich könnte auch der Grundeigentümer des Feldes, der selbst in der Nähe wohnt, seinen Vertrag mit den Sender-Betreibern kündigen.
Da sein Feld unmittelbar im Siedlungs-Gebiet liegt, wäre ohne die 110 kV-Leitung in absehbarer Zukunft wohl auch eine teilweise Umwidmung möglich, was dem Eigentümer wohl mehr bringen würde, als die Miete für eine Sende-Anlage...

Was kann eine Gemeinde tun?

Dr. Gerd Oberfeld, Umweltmediziner, Salzburg: "Die Bauordnung sowie das Stadt- und Ortsbildschutzgesetz sind eine Möglichkeit für die Gemeinde, den Standort eines Sendemasten mitzubestimmen. Ein zweiter Zugang ist, die Standortsuche vorausschauend gemeinsam mit unabhängigen Experten zu planen und einen neuen Sender-Standort zu wählen, der die Belastung der Bevölkerung so gering als möglich hält und trotzdem funktechnisch für den Betreiber passt..."