Die Leserbriefe spiegeln nicht die Meinung der ROFAN-KURIER-Redaktion wieder.Pixabay

Wohin entwickelt sich Kramsach?

Ein Beitrag in Tirol heute vom Freitag, 7. Febuar: Fröhliche Kramsacher Kinder denen erzählt wurde sie dürfen ihre Traumschule zeichnen und nun werden sie auch noch gefragt, was sie sich für ihre neue Schule wünschen.

Herr Peer von der Firma Communalp ist gerührt, milde lächelt der Bürgermeister. Ein werbewirksamer Auftritt. Doch ist es ein, von beiden gern zitierter und mittlerweile sehr strapazierter, Dialog auf Augenhöhe? Eigentlich wissen beide, die hier Befragten sind bis zur Fertigstellung der neuen Schule keine Volksschüler mehr. Doch beide wissen dass sich das Rad der Zeit schnell dreht. Versprechen von heute sind morgen vergangen und vergessen - das funktioniert nicht nur bei Kindern sondern auch bei Erwachsenen.

Doch Verzeihung, jetzt bin ich ein wenig abgeschweift, denn eigentlich wollte ich die Frage aufgreifen, wohin sich Kramsach entwickelt. Diese schwierige Frage hat sich unsere Gemeindeführung gestellt und für deren Beantwortung um viel Geld eine professionelle Firma beauftragt. Brennende Anliegen der Bevölkerung wurden ermittelt und es kam dabei eine offenbar völlig überraschende Prioritätenliste heraus. Wir brauchen eine größere Volksschule, eine größere Krabbelstube, einen größeren Kindergarten und die Möglichkeit von betreutem Wohnen. Mit solch kostenintensiven Wünschen der Bevölkerung konnten der Bürgermeister und seine Liste vor den letzten Wahlen wohl nicht rechnen, als sie noch vollen Einsatz für eine Weiterführung der Sonnwendjochbergbahn versprachen und auch noch ein sündteures Gondelprojekt propagierten.

Ich liebe Kramsach und deshalb macht mich so viel Ahnungslosigkeit ein ganz klein wenig misstrauisch. Der Bürgermeister und seine Liste - in neuer Allianz mit den Grünen - sind inzwischen gegen einen Lift und bewerben nun einen "Bildungsanger" auf dem Schlösslfeld, das im Eigentum der Bundesforste steht. Ich entsinne mich an Entwürfe der Communalp in denen das Areal des Volksspielhauses mit "junges Wohnen" bezeichnet wurde, eine Brücke von dort über die Ache Richtung Bildungsanger Schlösslfeld eingezeichnet war und im Areal der heutigen Volksschule ebenfalls Wohnungen markiert waren. Es handelte sich hierbei zwar nur um Entwürfe, doch der neue Bildungsanger und die weiteren Projekte müssen wohl irgendwie finanziert werden.

Von vielen Tirolern und Gästen wird Kramsach immer noch mit attraktiven Freizeitangeboten, intakter Natur, Grünflächen sowie der Sonnwendjochbergbahn, als einzige Aufstiegshilfe aus dem Inntal ins Rofangebirge, in Verbindung gebracht. Eine Identifikation, auf die wir scheinbar verzichten können.

Fakt ist doch, derzeit verliert unser Ort an Lebensqualität. Immer mehr lärmgeplagten Einwohnern ist es nicht mehr vergönnt, Erholung im Garten und auf dem Balkon zu finden oder gar in der Nacht bei geöffnetem Fenster zu schlafen.

Keine Frage, natürlich brauchen wir mehr Platz in den Kinderbetreuungseinrichtungen, etc., jedoch mehr Zuzug, durch den in Kramsach derzeit massiv forcierten Wohnungsneubau, bedeutet auch mehr Platzbedarf in diesen Einrichtungen. Es beißt sich hier wohl die Katze in den Schwanz. Unser Ort verändert sich mit einer Geschwindigkeit, die vielen Bürgern Unbehagen bereitet. Kann man ein Ortsentwicklungskonzept wirklich auf den Bau neuer Betreuungseinrichtungen reduzieren und für diese Erkenntnis auch noch Gemeindegeld ausgeben? Ist es wirklich erstrebenswert, dass man Kramsach künftig mit Verkehrschaos, schlechter Luft, nächtlichem Lärmterror und einer geschmacklosen, umwelt- und gesundheitsschädigenden nächtlichen Beleuchtung einiger Gewerbetreibender assoziiert? Soll so die Zukunft unserer Kinder aussehen, die offenbar jenen, die für dieses reduzierte Konzept verantwortlich sind, so sehr am Herzen liegt?

Alle noch so gut gemeinten modernen Kinderbetreuungs-Einrichtungen und Schulen können unseren Kindern nicht ein Leben und unbeschwertes Spielen in einer intakten Umwelt, eine garantierte Nachtruhe und sichere Geh- und Radwege ersetzen.

Moser Renate (Kalkofensiedlung Kramsach)