Amazon-Mitarbeiterinnen posieren für den Prime-Day. Doch hinter den Kulissen brodelte es.Amazon

Amazon: Retour-Ware landet oft im Müll!

Das ZDF-Magazin Frontal 21 berichtete kürzlich, dass der Online-Riese Amazon massenhaft funktionstüchtige Ware zerstört. "Es wird alles mögliche vernichtet", sagen Amazon-Mitarbeiter. Kritiker sehen hier einen Umweltskandal!

INTERNATIONAL Mitte Juli war, wie jedes Jahr, der große Amazon-Prime-Day. "Prime-Mitglieder haben am diesjährigen Prime Day Millionen Artikel bei Amazon gekauft und den Prime Day 2018 damit zu Amazons größtem Shopping-Event aller Zeiten gemacht", heißt es in einer Amazon-Presseaussendung. Der größte Prime-Day aller Zeiten ... mit Millionen verkauften Artikeln. Und wahrscheinlich werden wieder etliche Artikel zurückgeschickt werden. Doch was passiert mit diesen Artikeln?

Umwelt-Skandal

Dieser Frage ging kürzlich das ZDF-Magazin Frontal 21 auf den Grund. Von anonymen Quellen im Amazon-Betrieb bekamen die Redakteure des Magazins den Tipp, dass massenhaft funktionstüchtige Waren in den Amazon-Zentren verschrottet würden. Vernichtet wird offenbar alles mögliche: Fernseher, Beamer, Kühlschränke, Rasenmäher...
"Das waren neuwertige Sachen, manchmal mit kleinen Macken, aber die funktionierten alle noch", wird eine Amazon-Mitarbeiterin anonym zitiert. Eine weitere Mitarbeiterin gibt an, dass sie selbst im Auftrag von Amazon täglich Waren im Wert von mehreren zehntausend EURO vernichtet. "Es wird alles vernichtet, was nicht mehr niet- und nagelfest ist", erzählt etwa Norbert Faltin, ein ehemaliger Betriebsrat von Amazon in Koblenz.
Genaue Zahlen – wie viel von Amazon verschrottet wird – gibt es nicht. Auf Anfrage von Frontal 21 weist der Online-Riese nur darauf hin, dass sie auch viele Produkte spenden.
Amazon hat hier ein grundsätzliches Problem mit den Steuern. Das Fernseh-Magazin rechnet vor: "Bei einer Shampoo-Lieferung  im Wert von 100.000,– EURO fallen bei einer Spende 19.000,– EURO Umsatzsteuer an. Die Entsorgung kostet nur 5.000,– EURO und ist steuerfrei."
Ein System, dass seine Kritiker hat: "Ich finde es einen Skandal. Es kann nicht sein, dass Vernichten billiger ist als Spenden!", sagt etwa Dr. Julia Kronen, die Geschäftsführerin von innatura (Vermitteln Sachspenden für soziale Zwecke).

Wie wäre es in Österreich?

Der ROFAN-KURIER hat beim Finanzministerium nachgefragt, wie die Sachlage diesbezüglich in Österreich ist.
Dazu heißt es vom Finanz-Ministerium: "Grundsätzlich ist es so, dass bei Spenden eine Umsatzsteuer anfällt und bei der Zerstörung von Waren nicht". Geändert könne diese Regelung nur auf europäischer Ebene werden....
Doch warum ist das so? Grund dafür ist die 20-prozentige Vorsteuer. Wenn ein Unternehmen (Amazon ist nur ein Beispiel) Ware kauft, kann die Vorsteuer geltend gemacht werden. Das Unternehmen verkauft die Ware mit Umsatzsteuer. Die Umsatzsteuer muss das Unternehmen an das Finanzamt abführen.
Bei einer Spende wird kein Umsatz erzielt, es handelt sich hier um eine "Entnahme" – und es gibt keine Umsatzsteuer, die das Unternehmen "weiterverrechnen" könnte. Es muss dann die Vorsteuer selbst an das Finanzamt zahlen.
Keine Steuer hingegen muss bei einer Zerstörung/Verschrottung abgeliefert werden. "Die Zerstörung der Ware ist 'wirtschaftlich vorteilhaft' und stellt somit auch keine Entnahme mehr dar", erklärt das Finanzamt. Folglich ist auch keine Vorsteuer rückzuführen und Umsatzsteuer ist auch keine zu zahlen.

Zusammengefasst:

Ein Unternehmen kauft Ware und muss Vorsteuer leisten - diese Vorsteuer wird dann vom Finanzministerium zurückbezahlt. Dann:
a) Verkauft das Unternehmen die Ware mit Mehrwertsteuer: Es zahlt die Mehrwertsteuer an das BMF.
b) Spendet das Unternehmen die Ware: Es muss die Vorsteuer an das BMF nachzahlen.
c) Verschrottet das Unternehmen die Ware: Es bezahlt die Verschrottung und muss keine Steuer an das BMF abliefern.