Über 700 Schafe und 80 Ziegen von 26 verschiedenen Besitzern werden auf die Verwall Alm in St. Anton aufgetrieben. Sie zu schützen ist technisch möglich, aber vor allem in der Anfangsphase mit hohen Zusatzkosten verbunden. Land Tirol/Agridea

Herdenschutz in Tirol nur teilweise machbar

18 Risse von Schafen gehen 2019 nachweislich auf die Konten von Wolf und Bär. Diese Tiere sind EU-rechtlich streng geschützt und das stellt die traditionelle Almwirtschaft vor große Herausforderungen. Eine Studie (im Auftrag des Landes Tirol) kam zu dem Ergebnis, dass Herdenschutz in Tirol nur teilweise und mit erheblichem Aufwand machbar ist.

TIROL Gesellschafts-politische Sprengkraft hat das Thema "Wolf" für LH-Stv. Josef Geisler (ÖVP). "Ich sehe meine politische Verantwortung darin, kein Öl ins Feuer zu gießen, sondern besonnen auf allen Ebenen dafür zu arbeiten, dass die Schafhaltung und die Almwirtschaft in Tirol Zukunft haben", sagt der Bauern-Vertreter in der Regierung. Ein anderer Bauernvertreter, NR Ing. Josef Hechenberger ist für den Abschuss der Tiere. Die Diskussion in Tirol ist kontrovers - hier findet man, wie die Tiroler Landtagsparteien über den Wolf denken. Und in der Dikussion wurde auch der WWF-Experte Christian Pichler vom ROFAN-KURIER interviewt. Dieser erklärt: "Der Wolf ist keine blutrünstige Bestie!"

Tirolweit gibt es knapp 400 Almen, auf die im Sommer etwa 68.000 Schafe getrieben werden. 2019 wurden nachweislich 18 Schafe von den großen Beutegreifern, wie Wolf und Bär im Fachjargon genannt werden nachweislich gerissen, bei 40 weiteren toten Tieren, kann man nicht mehr beurteilen, ob ein Wolf oder ein Bär hinter dem Riss steckt.

Herdenschutz ist teuer

Die vorliegende Machbarkeitsstudie zeigt, dass Herdenschutz unter den derzeitigen Rahmenbedingungen auf Almen nur bedingt umsetzbar ist und die Maßnahmen zu teuer für die Landwirtschaft sind. Die Kosten liegen je nach Voraussetzungen und Maßnahmen zwischen elf und 80,– EURO pro Schaf.
"Aber wir können EU-Recht nicht aushebeln und werden nicht umhinkommen, uns auch in Tirol mit dem Thema Herdenschutz intensiver zu befassen", rechnet Geisler trotz des Beschlusses des Dreierlandtages in absehbarer Zeit nicht mit einer europarechtlichen Anpassung zum Schutz der Nutztiere auf den Almen.
Studienautor Daniel Mettler berichtet aus seiner Erfahrung in der Schweiz: "Herdenschutz hat auch Grenzen. Herdenschutz funktioniert in Kombination mit Regulierung und gezielten Abschüssen."

Erste Schritte in  Richtung Herdenschutz

"Wir müssen, können und wollen im Herdenschutz nicht von Null auf Hundert kommen. Für alle jene, die erste Schritte in Richtung Herdenschutz unternehmen wollen, haben wir aber ein Maßnahmenpaket geschnürt", präsentiert LH-Stv Geisler eine Reihe von Initiativen. So wird etwa ab der nächster Almsaison durch die Land Tirol APP die Öffentlichkeit über eine Wolfspräsenz informiert. Für Tiere, die in solchen Fällen von der Alm geholt werden, übernimmt das Land Tirol auch jetzt schon die Futterkosten. Außerdem gibt es bereits ein (laut Land) funktionierendes Entschädigungsmodell für gerissene Tiere.