Im Bild v.l.: IG-Mitglieder Markus Vögele, Hans-Peter Maier und UBV-Spitzenkandidat Michael Volland mit dem Plan vom Trassen-Verlauf. Nicht im Bild: IG-Obmann Josef Schwaiger.

110 kV-Leitung: Fast alle haben unterzeichnet

Nach dem Bericht im letzten ROFAN-KURIER zum Durchbruch bei den Ablöse-Verhandlungen für die neue 110 kV-Leitung melden sich Bauern aus Moosen und Haus: Die meisten haben unterschrieben – aber...

BREITENBACH/KRAMSACH In der letzten Ausgabe des ROFAN-KURIER gab es aktuelle Infos zum 110-kV-Projekt der TIWAG/TINETZ von Kirchbichl bis Kramsach. Die Verhandlungen dazu ziehen sich seit Jahren und werden seitens der TIWAG auch teilweise als Grund für die mehrfachen Verzögerungen des Projektes genannt. Nach dem in der letzten Ausgabe veröffentlichten Interview mit LA Bgm. Alois Margreiter (ÖVP) zum Durchbruch bezüglich Vertrags-Abschlüssen meldeten sich einzelne Waldbesitzer in der Redaktion. Sie wollten ebenfalls einige Worte zur Situation sagen. Der ROFAN-KURIER traf sich daher mit Mitgliedern der Interessens-Gemeinschaft (IG).

3.000,- EURO pro Mast stimmen nicht...

Landwirt und Obmann der IG, Josef Schwaiger, ÖVP-Gemeinderat in Breitenbach, sagt dazu: "Die Masten-Ablöse für Leitungen im Freiland ist zwar durch ein Grundsatz-Übereinkommen zwischen TIWAG und Landwirtschafts-Kammer geregelt. Hier gibt es im besten Fall bis zu 11.000,- EURO pro Mast. Allerdings nur im Freiland. Im Wirtschaftswald  kann die Ablöse weit niedriger ausfallen, im  Schutzwald kann sie auch nur 1.000,- EURO betragen. 3.000,- EURO Mindestpreis für alle, wie letztens gesagt wurde, stimmen nicht. Den Preis legt hier ein Gutachten der TIWAG fest. Bei diesen Zahlungen handelt es sich übrigens um Einmalzahlungen für die Bestandsdauer der Leitung, 80 bis 100 Jahre. Ich denke diese Nutzungsdauer relativiert die Höhe der Zahlungen." Andere IG-Mitglieder sagen, die Ablöse für die überspannten Bereiche des Waldes sei mit 4,- EURO pro m2 nicht überwältigend... "Man bekommt für 4,- EURO pro m2 bei uns keinen Wald zu kaufen", sagen einige Bauern beim Termin. Außerdem sei man nach der Ablöse weiterhin Besitzer und zahle die Grundsteuer, die überspannten Bereiche könne man aber nicht mehr nutzen. Andere stimmen zu.

Vertrag "kann aber unterschrieben werden"

Im Gespräch mit dem ROFAN-KURIER sagt Josef Schwaiger weiter: "Der Grundvertrag ist in Ordnung. Die Entscheidung, diesen Vertrag zu unterschreiben,  trifft aber jeder Grundeigentümer selbst. Dieser Vertrag spiegelt nur wieder, wieviel die TIWAG im Rahmen des Starkstrom-Wegegesetzes bereit war, den Grundeigentümern entgegen zu kommen.  Ich hätte mir seitens der TIWAG mehr Flexibilität erwartet, da dieses Projekt für viele einen erheblichen Eingriff in ihr Privateigentum bedeutet."

Michael Volland: "Mussten uns mit IG selbst helfen..."

Beim Treffen mit den örtlichen Bauern ist auch Michael Volland vom UBV – dem Unabhängigen Bauernverband Tirol – dabei. Er sagt zur Verhandlung mit der TIWAG: "Es ist richtig, dass uns Landtags-Abgeordneter Alois Margreiter und andere Bauern-Vertreter auch geholfen haben. Aber die Unterstützung, die wir uns eigentlich von unserer Landwirtschafts-Kammer erwartet hätten, haben wir aus unserer Sicht nicht bekommen. Daher mussten wir uns selbst helfen und die IG gründen." Andere IG-Mitglieder, die beim Treffen dabei sind, stimmen zu... 

Bau-Start Abschnitt 2 steht

TINETZ-Chef DI Thomas Rieder erklärt zur aktuellen Lage: "Anfang 2021 haben wir mit der IG, die etwa 80% der Grundeigentümer in Breitenbach vertritt, einen Vertrag ausgehandelt. Im gesamten Bauabschnitt 2 sind 65 Grundeigentümer betroffen, der Großteil hat die Verträge bereits unterzeichnet. Im Bereich "Butterbichl" (nordöstlicher Bereich – Richtung Bauabschnitt 1) wurden bereits allen Grundeigentümern die Verträge zur Unterfertigung vorgelegt – hier haben von 33 Grundeigentümer bereits 31 unterzeichnet. Aktuell bearbeiten wir die notwendigen Wegevereinbarungen. Wir sind zuversichtlich für einen Abschluss mit den Weginteressentschaften. Die Gespräche verlaufen aus unserer Sicht im guten Einvernehmen. Unsererseits ist der Zeitplan für den Bauabschnitt 2 unverändert" Zum Bauabschnitt 3 (Kramsach) seien kürzlich die Info-Schreiben über die kommende Verhandlung nach dem Starkstromwegegesetz (STWG) versandt worden.

LESERBRIEF von Hanspeter Maier und Michael Volland zur 110 kV-Leitung

"Bei diesem Projekt fragen wir uns: Wo bleiben unsere bäuerlichen Vertreter, von "Anfang bis zum Schluss"? Wenn wir so gut vertreten wären,  bräuchte man keine Interessens-Gemeinschaft für knapp 90 Betroffene gründen. Aussagen eines bäuerlichen Abgeordneten über Versechsfachung von Entschädigungen zeugen von Unwissenheit und sind eher kontraproduktiv bzw. für uns Eigentümer irritierend. Die Aussage "Jetzt reicht es" kann LA Bgm. Alois Margreiter nur für sich selber treffen. Jeder Grundstücksbesitzer ist mündig genug und kann für sich selbst entscheiden. Für uns grenzt dieses Projekt an Enteignung, denn es wird ohne Einwilligung von betroffenen Grundstücksbesitzern geplant, Pflöcke geschlagen und Wege benutzt. Der Unterschied von MEIN und DEIN sollte eine Wertigkeit haben und nicht alles selbstverständlich sein!"


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